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Schutzmassnahmen für Amphibien an Verkehrswegen

Verkehrswege wie Strassen und Eisenbahnlinien zerschneiden oft Lebensräume von Amphibien und können während der Laichzeit ein Amphibienmassaker verursachen. Davon betroffen sind vor allem Grasfrösche, Erdkröten, Bergmolche und teilweise auch Feuersalamander. Damit Populationen durch diese starken Verkehrsverluste nicht gefährdet werden und erlöschen, sind Gegenmassnahmen notwendig.

Konflikte zwischen Amphibien und Verkehr

Amphibien nutzen je nach Jahreszeit und Alter verschiedene Lebensraumtypen. Sie sind daher darauf angewiesen, zwischen diesen verschiedenen Lebensräumen wandern zu können. Wenn Verkehrswege diese Lebensräume oder Wanderrouten durchschneiden, führt dies potenziell zu Konflikten.

Die verschiedenen Amphibienwanderungen und Konflikte mit Verkehrswegen

Die folgende Illustration (aus: "Amphibien und Verkehr - Teilbericht saisonale Wanderungen", 2019) veranschaulicht die verschiedenen Amphibienwanderungen (Dispersion und saisonale Wanderungen) sowie die potenziellen Konflikte mit Verkehrswegen.

Grafik Amphibienwanderungen und Verkehrsproblematik

Illustration der verschiedenen Wanderungen von Amphibien und mögliche Konflikte mit Verkehrswegen (© info fauna)

    Dispersion (A): bezeichnet die Wanderung zwischen Populationen. Sie dient dem genetischen Austausch und Neubesiedlungen und findet regional, ungerichtet und ganzjährig statt.

    Saisonale Wanderung: betrifft die Wanderung innerhalb Populationen und findet lokal, gerichtet und saisonal statt:

    • Laichwanderung (B): Wanderung vom Winterquartier zum Laichgewässer (Februar - April)
    • Rückwanderung (C): Vom Laichgewässer zurück ins Landhabitat/Sommerlebensraum (März - Mai)
    • Jungtierwanderung (D): Jungtiere wandern nach der Metamorphose ins Landhabitat (Juni - Juli)
    • Herbstwanderung (E): Wanderung Adulter in das Winterquartier oder zum Laichgewässer zur Überwinterung (September - November)

    Die auffälligste Wanderung ist jene im Frühjahr, bei welcher die adulten Tiere ungefähr zum gleichen Zeitpunkt zum Laichgewässer wandern. Sie ist deshalb am einfachsten zu dokumentieren und mit mobilen Massnahmen zu schützen. Für das Fortbestehen einer Population müssen jedoch alle Wanderungen möglich bleiben.

    Abklärung einer Zugstelle

    Grundlagen zusammentragen

    Ob in einer bestimmten Situation Amphibien-Schutzmassnahmen an Strassen oder Bahnlinien sinnvoll ​und umsetzbar sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Deshalb sind als Erstes Grundlagen zur Analyse der Situation zusammenzutragen:

    • Situationsplan (Wanderrichtung, Laichgewässer, Winter- und Sommerlebensräume der Amphibien)
    • Artenspektrum (bei nächtlichen Patrouillen oder an temporärem Amphibienzaun erfassen)
    • Ausmass der Amphibienwanderung (bei nächtlichen Patrouillen oder an temporärem Amphibienzaun zählen) 
    • Verkehrsfrequenz (Strasse, Bahn)
    • Weitere Angaben, z.B. Beobachtungen von Anwohnern zum Konfliktausmass, Vorhandensein potentieller HelferInnen aus Naturschutzvereinen; Inventare; Gelände (felsig, steil, …), vorhandene (Bach-)Durchlässe

    Anhand dieser Grundlagen wird abgeschätzt, ob Massnahmen sinnvoll oder ob weitere Abklärungen notwendig sind. Die folgenden Kapitel zeigen auf, welche Massnahmen in welchen Situationen zur Anwendung kommen. Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an die Beratungsstelle Amphibien (karch). 

    Übersicht der Schutzmassnahmen

    Keine Schutzmassnahmen

    In folgenden Situationen wird oftmals entschieden, keine Massnahmen zu ergreifen:

    • Der Aufwand einer Rettungsaktion mit einem temporären Amphibienzaun oder Patrouillen wird im Verhältnis zur Anzahl Tiere als zu gross empfunden (bei weniger als 100 wandernden Tieren pro Jahr).
    • Es ist nur ein kleiner Teil der Population betroffen, der Rest erreicht das Laichgewässer aus einer anderen Richtung.
    • Das Laichgewässer liegt mehrere hundert Meter von einer nachts wenig befahrenen der Strasse entfernt und die Amphibien wandern auf einem langen Strassenabschnitt an, sodass es zu keinen Häufungen von Tieren kommt
    • Auf Strassen oder Bahnstrecken herrscht zur Wanderzeit (ca. 19h bis 6h) sehr wenig bis kein Verkehr.

    Achtung: in all den oben aufgeführten Fällen bleibt die Barrierewirkung von Randsteinen, Geleisen, Kabelkanälen sowie die Fallenwirkung von Schächten etc. trotzdem bestehen! Können keine Schutzmassnahmen für die Amphibienwanderung getroffen werden, soll versucht werden: 

    Detaillierte Entscheidungshilfen finden sich im Projektbericht «Konflikt Amphibien und Verkehr», Teilbericht saisonale Wanderungen und in der VSS-Norm SN 640698a: Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Grundlagen und Planung (1996, überarbeitet 2009).

    In allen anderen Fällen sollten Schutzmassnahmen getroffen werden.

    Schutzmassnahmen an Strassen

    Die passende Massnahme für die konkrete Situation wird vor Ort unter Beizug einer Fachperson oder der regionalen karch-Vertretung sowie der zuständigen Behörde (Gemeinde, Kanton) definiert.

    In der folgenden Übersicht werden die verschiedenen Massnahmen und ihre Vor- und Nachteile vorgestellt (aus: Projektbericht "Amphibien und Verkehr - Teilbericht saisonale Wanderungen", Tabelle 4, ergänzt durch Bemerkungen).

    Massnahmenübersicht an Strassen

    Massnahmentyp Kosten Vorteile Nachteile Zu Beachten

    Warnschild

    Gering
    • Sensibilisierung
    • Geringe Schutzwirkung
    Schützt hauptsächlich die HelferInnen an Amphibienzäunen. Kann mit Blinklichtern kombiniert werden. Warntafeln werden von der zuständigen Behörde aufgestellt.

    Einsammeln von Hand, nächtliche Patrouillen

    Gering
    • Sensibilisierung
    • Erfassung wandernder Amphibien
    • Geringe Schutzwirkung
    • Hoher personeller Aufwand
    Amphibien werden in guten «Amphibiennächten» von Hand eingesammelt und über die Strasse getragen. Helfende müssen kurzfristig in günstigen Nächten verfügbar sein. Sinnvoll wo ein Aufstellen von Zäunen unmöglich ist (z.B. Steilhänge, Wohnquartiere) oder zur Abklärung der Situation

    Durchgehende Strassensperrung während Laichwanderung

    Gering
    • Effizienter Schutz bei geringem Verkehr
    • Natürliches Wanderverhalten möglich
    • Schützt nur Laichwanderung
    • Politisch schwieriger umzusetzen
    Ca. Mitte Februar bis Mitte April. Sperrung und Umfahrungsmöglichkeit müssen signalisiert und der Bevölkerung kommuniziert werden.

    Nächtliche Strassensperrung während Laichwanderung

    Gering
    • Effizienter Schutz bei geringem Verkehr
    • Natürliches Wanderverhalten möglich
    • Schützt nur Laichwanderung
    • Politisch schwieriger umzusetzen
    Ca. Mitte Februar bis Mitte April, ca. 18h bis 6h. Sperrung und Umfahrungsmöglichkeit müssen signalisiert und der Bevölkerung kommuniziert werden. Gut geeignet auf Nebenstrassen.
    Durchgehende oder nächtliche Strassensperrung während allen Wanderperioden Gering
    • Effizienter Schutz
    • Schützt sämtliche Wanderungen
    • Natürliches Wanderverhalten möglich
    • Politisch schwieriger umzusetzen

    Ca. 18h bis 6h oder durchgehend.

    Amphibienzaun

    Mittel
    • Sensibilisierung
    • Erfassen von Daten zu Amphibienwanderungen
    • Wirksamer Schutz bei geringem Verkehr
    • Schützt nur Laichwanderung
    • Hoher personeller Aufwand

    Weitere Informationen :

    Zugstellen und Amphibienzäune

    VSS-40699a : Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Massnahmen (2019) *

    Zusatzgewässer (auf Seite Landlebensraum)

    Mittel
    • Neuer Lebensraum
    • Ergänzende Massnahme
    • Mortalität besteht weiterhin

    Oft kein gleichwertiger Ersatz für bestehenden Lebensraum. Im Idealfall mehrere neue Gewässer.

    Mortalität kann reduziert werden, wenn zusätzlich ein Zaun aufgestellt wird.

    Faunagerechter Bachdurchlass

    Mittel
    • Relativ geringer Aufwand
    • Berücksichtigt sämtliche Wanderungen
    • Vernetzung von Lebensräumen
    • Ermöglicht die Nutzung natürlicher Wanderrouten
    • Auch andere Kleintiere profitieren
    • Lässt sich mit Leitwerken kombinieren
    • Wirkt nicht auf ganze Population, da Einzugsgebiet beschränkt

    Auch bestehende Bachdurchlässe können nachträglich faunagerecht angepasst werden.  

    VSS-40696 : Fauna und Verkehr. Faunagerechte Gestaltung von Gewässedurchlässen (2011) *

    Kleintierdurchlässe mit Leitwerken [alle 25 m ein Durchlass] 

    Sehr hoch, günstiger in Kombination mit Strassensanierungen
    • Berücksichtigt sämtliche Wanderungen
    • Vernetzung von Lebensräumen
    • Auch andere Kleintiere profitieren
    • Lässt sich mit faunagerechten Bachdurchlässen kombinieren
    • Nicht überall gemäss Normen umsetzbar
    • Fachliche Begleitung bei der Planung notwendig
    • Regelmässiger Unterhalt

    Muss korrekt nach Norm erstellt sein:

    SN 640699a: Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Massnahmen (2019)*

    Die aufgeführten VSS-Normen können beim Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS, Sihlquai 255, 8005 Zürichwww.vss.ch, bestellt werden.
    ** Die Version von 2009 dieser VSS-Norm kann im Shop info fauna bezogen werden

    rails

    Schutzmassnahmen an Bahnen

    Während überfahrene Amphibien auf Strassen oft durch aufmerksame Anwohner gemeldet werden, fallen Amphibiensterben an Bahnlinien nicht auf, da sich dort selten jemand aufhält. Deshalb ist dazu auch noch weniger bekannt.

    Im Rahmen des BAFU-Projekts «Amphibien und Verkehr - Teilbericht saisonale Wanderungen» wurden potentielle Konfliktstandorte an Bahnlinien eruiert und im Folgeprojekt «Methodologie Konfliktstandorte bei der Bahn» wurde ein Vorgehen zur Abklärung dieser Standorte definiert. Zudem laufen in der Schweiz verschiedene Pilotprojekte und Wirkungskontrollen zu Amphibienschutz-Massnahmen an Bahnen.   

    Welche Massnahme für die konkrete Situation geeignet ist, wird vor Ort unter Beizug einer Fachperson oder der regionalen karch-Vertretung sowie der zuständigen Behörde (Gemeinde, Kanton) festgelegt.

    Die folgende Übersicht zeigt die verschiedenen Massnahmen sowie deren Vor- und Nachteile (aus: Projektbericht "Amphibien und Verkehr - Teilbericht saisonale Wanderungen", Tabelle 5, ergänzt durch Bemerkungen).

    Massnahmenübersicht an Bahnen

    Massnahmen an Bahnen

    Kosten Vorteile Nachteile Zu Beachten

    Schotter tief planieren

    Gering
    • Aufwand mittel 
    • Schotter bleibt als potentieller Rückzugs-/Überwinterungsort bestehen
    • Wiederkehrender Aufwand
    • Mortalität nur verringert

    7 cm Zwischenraum besser als 5c m (in Norm). Barrieren wie Kabelkanäle etc. müssen auch überwindbar sein, s. Massnahmen zur Reduktion von Hindernissen und Fallen. 

    VSS-40699a: Fauna und -Verkehr. Schutz der Amphibien, Massnahmen (2019)*

    Videos und Beschrieb:

    • Schotter tiefer planieren: s. Abschnitt "Videos" unterhalb dieser Tabelle

    Schotter tief planieren mit Amphibienableitblechen [alle 3-5 Querbalken].

    Gering
    • Aufwand mittel
    • Berücksichtigt Längswanderung
    • Schotter bleibt als potentieller Rückzugs-/Überwinterungsort bestehen
    • Wiederkehrender Aufwand

    • Mortalitäten weiterhin möglich

    Amphibienableitbleche leiten längs auf dem Gleisfuss wandernde Tiere zu den Durchgängen. Barrieren wie Kabelkanäle etc. müssen auch überwindbar sein, s. Massnahmen zur Reduktion von Hindernissen und Fallen. 

    VSS-40699a: Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Massnahmen (2019)*

    In der Schweiz laufen Wirkungskontrollen.

    Videos und Beschrieb:

    • Schotter tiefer planieren: s. Abschnitt "Videos" unterhalb dieser Tabelle
    • Amphibienableitbleche: weitere Infos unter Kt. Aargau

    Zusatzgewässer (auf Seite Landlebensraum)

    Mittel

     

    • Neuer Lebensraum
    • Kompensation der Mortalität

     

    • Ergänzende Massnahme
    • Mortalität besteht weiterhin

    Oft kein gleichwertiger Ersatz für best. Lebensraum. Im Idealfall mehrere neue Gewässer.

    Mortalität kann reduziert werden, wenn zusätzlich ein Zaun aufgestellt wird
    Faunagerechter Bachdurchlass Mittel
    • Relativ geringer Aufwand
    • Berücksichtigt sämtliche Wanderungen
    • Vernetzung von Lebensräumen
    • Ermöglicht Nutzung natürlicher Wanderrouten
    • Auch andere Kleintiere profitieren
    • Lässt sich mit Leitwerken kombinieren
    • Wirkt nicht auf ganze Population, da Einzugsgebiet beschränkt

    VSS-40696 : Fauna und Verkehr. Faunagerechte Gestaltung von Gewässerdurchlässen (2011)*

    Gleisnaher Kleintierdurchlass mit Leitwerk [alle 25 m ein Durchlass]

    Mittel
    • Kann direkt unter den Gleisen installiert werden
    • Einsetzbar bei mehrgleisigen Strecken
    • Berücksichtigt sämtliche Wanderungen
    • Vernetzung von Lebensräumen
    • Geringere Kosten als herkömmliche Kleintierdurchlässe
    • In der Schweiz bis anhin noch nicht umgesetzt (Betriebserprobung / Typenzulassung im Gange)

     

    Barrieren wie Kabelkanäle etc. müssen auch überwindbar sein.

    Wird in den Niederlanden verwendet, in der Schweiz läuft eine Testphase (2022/23).

    Herkömmlicher Kleintierdurchlass mit Leitwerk [alle 25 m ein Durchlass]

    Sehr hoch, günstiger in Kombination mit Bahnsanierungen

     

    • Berücksichtigt sämtliche Wanderungen
    • Vernetzung von Lebensräumen
    • Auch andere Kleintiere profitieren
    • Lässt sich mit faunagerechten Bachdurchlässen kombinieren

     

    • Nicht überall gemäss Normen umsetzbar
    • Hohe Kosten
    • Fachliche Begleitung bei der Planung notwendig
    • Regelmässiger Unterhalt

     

    Muss i.d.R. 2m unter dem Gleiskörper liegen -> je nach Topographie nicht möglich.

    VSS-40699a : Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Massnahmen (2019)*

    Die aufgeführten VSS-Normen können beim Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS, Sihlquai 255, 8005 Zürichwww.vss.ch, bestellt werden.
    ** Die Version von 2009 dieser VSS-Norm kann im Shop info fauna bezogen werden

    Videos

    Schotter tief planieren

    Maschinelles Stopfen: Richten der Fahrbahn, um Senkstellen, Verwindungen und Richtungsfehler bei der Fahrbahn (Gleis) zu beheben (© Kt. Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung Landschaft und Gewässer)

    Planieren- / Verdichtungsmaschine: Gleis von Schotter befreien und Schotterkrone herstellen. Schwellenfächer und Schotterkrone verdichten(© Kt. Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung Landschaft und Gewässer)

    mesurebarriere

    Massnahmen zur Reduktion von Hindernissen und Fallen

    Neben der Gefahr durch den Verkehr selber gibt es an Strassen und Bahnlinien auch verschiedene Barrieren, die die Wanderung unterbrechen, sowie Fallen aus denen sich die Amphibien nicht mehr befreien können.

    Übersicht der Massnahmen zur Reduktion von Barrieren und Fallen
    Hindernis oder Falle Entschärfungsmassnahme Zu beachten
    Randsteine
    • Abschrägen, Absätze vermeiden

    VSS-40699a: Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Massnahmen (2019)*

    Entwässerungssysteme
    • Entwässerungsgräben naturnah gestalten
    • Überläufe amphibiengerecht gestalten (amphibienfreundlicher Entwässerungsschacht)
    • Kleintierfreundliche Schachtabdeckungen
    • Ausstiegshilfen in Schächten montieren

    Amphibien in Entwässerungsanlagen

    SN 640699, Anhang: Strassen und Entwässerungssysteme. Schutzmassnahmen für Amphibien. VSS, 2009*

    Steinkörbe
    • Falls möglich flacherer Winkel (75°)
    • Grobes Steinmaterial (80 % des Materials soll eine Korngrösse von 20-40 cm aufweisen; Maschenweite der Körbe mind. 8-10 cm)
     
    Bankettsicherungssysteme (z.B. Rüglei, Ribbert)
    • Flacherer Winkel (75°), grössere Maschenweite (mind. 5 cm Maschenweite) und gröbere Hinterfüllung als die Standardversion mit Schroppen oder besser noch Bruchsteinen.
     
    Betonmauern
    • Überhänge entfernen
    • Abschrägen, Rampen bilden
     
    Lärmschutzwände
    • Durchgehendes Anlegen von Steinkörben im unteren Bereich der Lärmschutzwand (80 % des Materials soll eine Korngrösse von 20-40 cm aufweisen; Maschenweite der Körbe mind. 8-10 cm)
    • Alternativ: Lärmschutzwände versetzen
     

    Kabelkanäle

    • Bodeneben versenken
    • Schotteranschüttung
    • Amphibienrampen bilden
    • Kabelkanäle müssen geschlossen sein

    *Die aufgeführten VSS-Normen können beim Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS, Sihlquai 255, 8005 Zürichwww.vss.ch, bestellt werden.
    ** Die Version von 2009 dieser VSS-Norm kann im Shop info faunabezogen werden

    salamandre

    Spezialfall Feuersalamander an Strassen

    Der Feuersalamander gehört zu den langlebenden Arten und die Weibchen setzen pro Jahr verhältnismässig wenige Larven ab. Entsprechend gravierend wirken sich die Folgen einer verkehrsbedingt erhöhten Mortalität auf eine Feuersalamander Population aus.

    Leider ist es in der Regel schwierig, wirkungsvolle Massnahmen zum Schutz des Feuer-salamanders an Strassen vorzuschlagen. Die Wanderkorridore des Feuersalamanders sind oft breit, da das Ziel ein Fliessgewässer ist. Zudem sind die Wanderungen zeitlich weniger eng begrenzt als bei anderen Arten und die Tiere verweilen verhältnismässig länger auf Strassen.

    Die Sensibilisierung der Anwohner und die Aufforderung zu langsamerem Fahren bei regnerischem Wetter sowie je nach Situation die temporäre Sperrung der Strasse sind in vielen Fällen leider die einzigen Massnahmen, die empfohlen werden können, um die Strassenverluste von Feuersalamandern zu reduzieren.

    controle

    Erfolgskontrolle der Schutzmassnahmen

    Bereits im Baubudget einer Amphibienunterführung sind die Kosten einer Erfolgs- und Wirkungskontrolle vorzusehen. Teilweise kann eine geringfügige Anpassung die Akzeptanz einer Anlage durch die Amphibien beträchtlich erhöhen. Eine Funktions- sowie eine Akzeptanzkontrolle (Begriffserläuterung s. unten) gemäss dem Europäischen Standard sind bei jeder Anlage empfohlen.

    Geise et al. (2008) führen vier Arten von Kontrollen auf :

    1. Funktionskontrollen: überprüfen den technischen Zustand sowie den Unterhalt der Kleintierdurchlässe. Sie sind Bestandteil von Bauabnahmen und Unterhaltsmassnahmen an der Verkehrsinfrastruktur.
    2. Akzeptanzkontrollen: untersuchen die Schutzwirkung der Anlagen auf Amphibien; d.h. ob die Durchgangsquoten zufriedenstellend sind und ob die sie Population hinreichend schützen.
    3. Erfolgskontrollen: schätzen ab, ob die getroffenen Massnahmen einen Effekt auf die Dynamik der Gesamtpopulation haben.
    4. Effizienzkontrollen: haben einen ökonomischen Ansatz und untersuchen, wie der Mitteleinsatz vom Bau der Anlagen in Relation zum Artenschutzziel steht
    Publikationen

    Dokumente & Publikationen

    Amphibien - Verkehr - Konflikt, Bahn

    Hunziker, A., Pellet J., Zumbach S., Schlussbericht «Methodologie Konfliktstandorte bei der Bahn», 2022. Bundesamt für Umwelt (BAFU); info fauna – karch. Bern

    Amphibien - Verkehr - Konflikt, Bahn

    Hunziker, A., Pellet J., Zumbach S., Merkblatt Beurteilung von Konfliktstellen zwischen Amphibien und der Bahn, 2022. Bundesamt für Umwelt (BAFU); info fauna – karch. Bern

    Übersicht aller bekannten und potentiellen Konflikte zwischen Amphibien und Strassen sowie Bahnlinien in der Schweiz. 

    Dosch O., Mermod M., Zumbach S. 2021: Projektbericht «Konflikt Amphibien und Verkehr» - Teilbericht saisonale Wanderungen. Bundesamt für Umwelt (BAFU) und info fauna (karch) Centre national de données et d'informations sur la faune de Suisse, Bern.
    VSS-40696: Fauna und Verkehr; Faunagerechte Gestaltung von Gewässerdurchlässen
    Faune et trafic; aménagement des ponceaux respectueux de la faune. 2019. Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute. www.vss.ch

    Erläuterungen zur Schweizer Norm SN 640 696, wie Querungsbauwerke von Verkehrsträgern faunagerecht gestaltet werden können, sodass sie ihre Vernetzungsfunktion wahrnehmen können.
    Aménagement des ponceaux respectueux de la faune. 

    Righetti, A. 2011: Faunagerechte Gestaltung von Gewässerdurchlässen. Strasse und Verkehr Nr. 6 (2011), S. 15 - 19.
    SN 640699 Anhang: Strassen und Entwässerungssysteme; Schutzmassnahmen für Amphibien; Routes et systèmes d’évacuation des eaux; mesures de protection pour les amphibiens. 2009. Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute. www.vss.ch

    VSS-40699A: Ersetzt die frühere Norm / remplace l'ancienne norme: SN 640699a

    VSS-40699A: Fauna und Verkehr; Schutz der Amphibien, Massnahmen; Faune et trafic; protection des amphibiens, mesures. 2019. Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute. www.vss.ch

    Vorgaben für eine Methodenstandardisierung

    Geise U. et al. 2008: Akzeptanzkontrollen für stationäre Amphibien-Durchlassanlagen an Straßen. Naturschutz und Landschaftsplanung 40 (8).
    Zumbach S. 2013: Empfehlungen zur Planung und Durchführung von Erfolgskontrollen bei fixen Amphibienunterführungen. info fauna (karch) Centre national de données et d'informations sur la faune de Suisse.

    Schlussbericht der Feldstudie 2010-2014

    Brenneisen S. und Szallies A. 2017. Wie gut erfüllen Amphibientunnel und –Leitsysteme ihren Zweck? Akzeptanz und Erfolgskontrolle unterschiedlicher Anlagetypen in der Schweiz - Schlussbericht der Feldstudie 2010-2014. ZHAW Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen, Wädenswil: 126 S

    Formular zur Erfassung von festverbauten Schutzmassnahmen für Amphibien an Verkehrswegen

    karch. 2019: Meldeformular Zugstelle fixe Massnahmen. infofauna (karch) Centre national de données et d'informations sur la faune de Suisse.

    Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz, Handlungsfeld A8.2

    2023: Arbeitshilfe Amphibienableitbleche. info fauna karch, BAFU, Kanton Aargau, VÖV UTP.
    Schulz-Dübi C. 2014: Amphibienfreundliche Kabelkanäle.

    Der Rückgang der Artenvielfalt wird im Rahmen der Nachhaltigkeit vermehrt diskutiert – auch beim RBS. Denn Biodiversität ist das natürliche Erbe, welches wir zukünftigen Generationen als Vermächtnis hinterlassen. Christine Schulz-Dübi hat als Nachhaltigkeitsverantwortliche RBS eine Masterarbeit über amphibienfreundliche Kabelkanäle verfasst. Wie diese zur Biodiversität beitragen können, zeigt der nachfolgende Bericht.

    Querungshilfe für Amphibien. Signal 2 (2015), S. 18-19.

    Links