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Krankheiten von Reptilien

Im Gegensatz zu den Amphibien sind Krankheiten bei wildlebenden, heimischen Reptilien erst seit jüngerer Zeit ein ernsthaftes Thema in Fachkreisen. Aktuelle Studien zeigen aber, dass gewisse Populationen und Arten durchaus Träger von exotischen Parasiten und Pathogenen sind. Derzeit besonders im Fokus steht die Krankheit SFD (Snake Fungal Disease), eine durch den Erreger Ophidiomyces ophiodiicola verursachte Pilzerkrankung. Leider ist es jedoch wahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren weitere Krankheitserreger entdeckt werden, weshalb es wichtig ist, bereits jetzt Präventionsmassnahmen anzuwenden.

sfd

Snake Fungal Disease

Der Pilz Ophidiomyces ophidiicola ist eine Pilzart, die auf mehreren Kontinenten vorkommt, aber in Europa und Nordamerika am gründlichsten untersucht wurde. Sein Ursprung ist noch unbekannt. Die Symptome sind unterschiedlich und können denen anderer Krankheiten ähneln. Im Allgemeinen weisen die betroffenen Tiere relativ häufig Läsionen auf ihren Bauch- oder Rückenschuppen (Läsionen, Krusten, Ödeme; siehe Fotos unten) sowie auf dem Kopf auf. Manchmal kann die Krankheit auch auf die lebenswichtigen Organe übergreifen, was zum Tod des Individuums oder allgemein zu einer Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands der Schlange sowie zu einer Veränderung ihres Verhaltens führen kann.

Die folgenden Seiten zeigen einige Läsionen, die bei Wildtieren beobachtet wurden:

Der Pilz wurde in Europa erstmals 2017 in Grossbritannien bei Ringelnattern (Natrix helvetica) und in der Tschechischen Republik bei einer Würfelnatter (Natrix tessellata) beobachtet. In der Schweiz wurde der Pilz 2018 im Tessin an einer schwer kranken Ringelnatter (N. helvetica) entdeckt. Seitdem hat eine Untersuchung der Verbreitung des Erregers in der Schweiz gezeigt, dass er in vielen Kantonen und mit einem sehr grossen Anteil je nach Population vorkommt. Den ersten Ergebnissen zufolge entwickeln semi-aquatische Arten (Gattung Natrix) die Krankheit eher als terrestrische Arten.

Die Auswirkungen der Krankheit auf wilde Schlangenpopulationen sind Gegenstand einer laufenden Studie.

Wenn Sie eine Schlange mit verdächtigen Läsionen beobachtet haben, wenden Sie sich bitte an die karch.

Würfelnatter mit Hautläsionen auf dem Kopf

Würfelnatter (Natrix tessellata) mit Läsionen am Kopf (© Grégoire Meier)

Fotos von typischen durch Snake Fungal Disease verursachten Läsionen

Fotos von typischen, durch SFD verursachte Läsionen bei Würfelnattern (Natrix tessellata), einer Ringelnatter (N. helevetica) und einer Gelbgrünen Zornnatter (Hierophis viridiflavus) (© Nicolas Joudrier).

 

prevention

Vorbeugungsmassnahmen gegen die Verbreitung von Infektionskrankheiten

Um eine Verschleppung von Krankheitserregern zu vermeiden, ist es sehr wichtig, gewisse Vorsichtsmassnahmen zu berücksichtigen:

  • Schlangen NICHT fangen! Falls das Behändigen von Tieren unumgänglich ist, braucht es dazu in jedem Fall eine Bewilligung der zuständigen kantonalen Naturschutzfachstelle.

  • Regelmässig Desinfektion sämtlicher Utensilien (Handschuhe, Schlangensäcke, Boxen, Haken etc.) nach Gebrauch mit Javelwasser (3%) oder Alkohol (mind. 70%) während mindestens 2 Minuten.​

  • Tragen von Einweghandschuhen beim Manipulieren der Tiere. Desinfektion der Hände mit entsprechenden Mitteln wie Sterilium, Desderman oder vergleichbaren Produkten.​

  • Terrarientiere oder wildlebende Reptilien, die mit Terrarientieren oder Terrarien in Kontakt waren, unter keinen Umständen in die Natur entlassen!

  • Dokumentieren Sie alle verdächtigen Beobachtungen mit Fotos und kontaktieren Sie die karch für weitere Informationen.