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Auf Expansionskurs: Mehrere Kantone mit neuen Fischotternachweisen

Artenspürhunde (© Sarah Hummel)

Die Artenspürhunde finden bis zu 6-mal mehr Fischotterlosungen als menschliche Kartierende und eignen sich damit hervorragend für Verdachtsabklärungen (© Sarah Hummel).

Schweizweit starb der Fischotter 1989 aus, regional jedoch teilweise schon Jahrzehnte eher. Seit 2009 ist er wieder in unseren Gewässern heimisch. An die positiven Fischottermeldungen aus dem Oberengadin, der Surselva und dem St. Galler Rheintal haben wir uns beinahe schon gewöhnt, doch in den Nachbarregionen und in anderen Kantonen blieb es lange ruhig. Jetzt scheint allerdings Bewegung in die Fischotterverbreitung zu kommen. Gleich mehrere Kantone konnten diesen Winter den Fischotter erstmals nach jahrzehntelanger Absenz wieder auf Kantonsgebiet nachweisen oder die Expansion in neue Gebiete vermelden.

Den Anfang nahm das Tessin im Oktober 2025, dort verschwand der Fischotter bereits 1967. Einer Privatperson gelang es dank Bildern einer Fotofalle einen Fischotter in der Gemeinde Quinto zu dokumentieren. Zwar gab es schon davor wieder sporadische Nachweise: 2013 war ein adultes, männliches Tier in der gleichen Gemeinde überfahren worden, im Winter 2016/2017 gelangen in der oberen Leventina Nachweise im Rahmen der nationalen Kartierung. Bis zu den aktuellen Nachweisen blieb es allerdings lange ruhig in den Gewässern des Kantons. Woher die Tiere stammen ist nicht geklärt. Eine Möglichkeit wäre die Einwanderung via Lukmanierpass aus der Surselva, wo die Fischotterpräsenz seit Jahren gut dokumentiert ist. Dass das Tier noch immer in den Gewässern um Quinto präsent ist, belegen weitere Spurenfunde des Amts für Jagd und Fischerei aus diesem Jahr.

Der Kanton St. Gallen engagierte im Dezember 2025 Fischotterspezialisten mit ihren speziell trainierten Hunden, den sogenannten Artenspürhunde, um Meldungen von Fischern nachzugehen, die von Fischen mit Bisswunden im Linthkanal berichteten, die dem Fischotter zugeschrieben wurden. Die Hunde konnten mehrere Fischotterlosungen aufspüren und auch die angeordneten Genanalysen der Losungsfunde bestätigten die Präsenz des Fischotters einwandfrei. Es sind damit die ersten Nachweise im Linthgebiet und westlich des Rheintals auf St. Galler Boden. Ähnliche Indizien wie jene aus dem Linthkanal, die den Ausschlag für die gezielte Fischotterspurensuche bildeten, kommen neuerdings auch aus der Thur, konkrete Nachweise stehen aber noch aus. Fotofallenbilder von Privatpersonen haben ausserdem nachträglich bestätigt, dass es 2024 bei Sevelen den ersten Fortpflanzungserfolg im Kanton St. Gallen gab.

Die Meldungen am Linthkanal stiessen auch auf Glarner und Schwyzer Kantonsseite auf Interesse. Eine Fotofalle der Wildhut brachte Mitte Januar 2026 die die Bestätigung: der Fischotter ist auch auf Glarner Seite wieder aktiv! Es ist damit der Erstnachweis auf Kantonsgebiet seit seiner Ausrottung. Den Artenspürhunden gelang zwei Wochen später auch der Erstnachweis auf Schwyzer Boden seit 1952!

Den vorläufige Höhenpunkt der positiven Fischotterschlagzeilen bildete ein Nachweis aus dem Projekt «Otterspotter» von Pro Lutra und dem WWF der Sektionen Bern und Solothurn, dank welchem mit Hilfe von Freiwilligen seit Jahren die kleine Fischotterpopulation an der Aare zwischen Thun und Bern dokumentiert wird. Den Freiwilligen gelangen eindeutige Fotos von Fischotterspuren im Schnee in der Gemeinde Selzach an der Aare. Die Entdeckung ist eine kleine Sensation, denn es ist der erste Fischotternachweis auf solothurnischem Boden seit 1935!

Fischotterspuren im Schnee (© Stefan Hunziker)

An der Aare bei Selzach konnten dank Freiwilliger des Projekts «Otterspotter» eindeutige Fischotterspuren dokumentiert werden, die ersten Nachweise auf Kantonsgebiet seit 1935 (© Stefan Hunziker)!

Auch aus weiteren Regionen und Kantonen sind Hinweise eingegangen, definitive Bestätigungen dank Bildern oder Losungsfunden stehen aber noch aus.

Der Winter neigt sich dem Ende entgegen und damit auch die beste Zeit, um Fischotterspuren zu finden. Dennoch sind Überraschungen jederzeit möglich. Wie Sie dem Fischotter am besten auf die Spur kommen können, finden Sie in der Rubrik «Fischotter beobachten». Melden Sie uns Ihre Beobachtungen über die Online-Plattform Webfauna oder via App.