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Zwei spektakuläre Beobachtungen der Beutejagd von Spinnen

Gewöhnliche Ovalspinne / Verkannte Ovalspinne (© T. Kawecki)

Gewöhnliche Ovalspinne / Verkannte Ovalspinne und Schwalbenschwanzraupe (© T. Kawecki).

Diesen Sommer haben uns zwei faszinierende Beobachtungsmeldungen erreicht. Beide Beobachtungen zeigen eine Spinne bei der Prädation. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um Spinnen aus der Familie der Kugelspinnen (Theridiidae), welche für die Stärke ihres Giftes bekannt sind.

Herr Kawecki entdeckte im Juli 2025 in St-Ours (FR) auf seiner Terrasse in einem Topf mit aromatischen Dillpflanzen ungefähr 15 Schwalbenschwanzraupen. Eine dieser Raupen wurde zur Beute einer Gewöhnlichen Ovalspinne / Verkannten Ovalspinne (Enoplognatha ovata/Enoplognatha latimana; beide Arten sind sehr ähnlich und lassen sich anhand der Fotos nicht genauer bestimmen). Diese Arten, deren Körper eine maximale Länge von 7 mm hat, werden häufig beobachtet, insbesondere in unseren Gärten. Sie fangen regelmässig grosse Insekten, aber in diesem Fall ist die Grösse der Beute, in etwa achtmal so gross wie die Spinne, doch ziemlich aussergewöhnlich. Auf diesem Foto ist auch zu sehen, dass die Verdauungssäfte ihre Arbeit aufgenommen haben und eine Veränderung der Farbe und des Aussehens der erbeuteten Raupe bewirkt haben.

Im selben Zeitraum machte Frau Rathgeb in Wünnewil (FR) eine ebenso faszinierende Beobachtung. Während sie in einem Gartenbaubetrieb Schmetterlinge beobachtete, entdeckte sie einen Altweltlichen Linienschwärmer (Hyles livornica) in einem Spinnennetz. «Leider war der Schmetterling bereits tot, und die Spinne, die ich erst später entdeckte, bewachte ihn trotz meiner Anwesenheit unermüdlich und schien ihn nicht loslassen zu wollen.»

Gewächshaus-Mondspinne mit Beute (© L. Rathgeb).

Gewächshaus-Mondspinne mit seiner Beute – dem Altweltlichen Linienschwärmer (© L. Rathgeb).

Bei der Spinne handelt es sich um eine Gewächshaus-Mondspinne - Parasteatoda tepidariorum. Die ursprünglich aus Asien stammende Art ist in Europa vielfach in Gewächshäusern oder auf Gebäuden anzutreffen. Auch hier ist der Grössenunterschied zwischen Räuber und Beute beachtlich: der Altweltliche Linienschwärmer ist ungefähr zehnmal so gross wie die Gewächshaus-Mondspinne.

Gewächshaus-Mondspinne (© L. Rathgeb)

Gewächshaus-Mondspinne - Parasteatoda tepidariorum (© L. Rathgeb).

Auch wenn sie nicht so aussergewöhnlich sind, sind Ihre Spinnenbeobachtungen bei Webfauna immer willkommen!