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Beurteilung des Gefährdungsstatus in der Schweiz
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Aktualisierung der Roten Liste der terrestrischen und aquatischen Mollusken der Schweiz

Aktuell
Schnecke Helicigona lapicida

Schnecke Helicigona lapicida (© François Claude)

Im Rahmen der Aktualisierung der Roten Liste der Land- und Wassermollusken der Schweiz wird eine neue Felderhebung durchgeführt, wie es das vom BAFU unterstützte Rote-Liste-Verfahren vorsieht.

AuftraggeberBAFU, Abteilung Biodiversität und Landschaft

Umsetzungsphase : 2020-2025

Die Mollusken der Schweiz kommen in praktisch allen terrestrischen und aquatischen Lebensräumen vor, von der Ebene bis zur nivalen Stufe. Sie bilden eine reiche und gut diversifizierte faunistische Gruppe. Ihre ökologischen Ansprüche sind recht gut bekannt und ihre Rolle als Bioindikatoren für die Qualität der Lebensräume ist gesichert.

Die aktuell gültige Rote Liste der Mollusken der Schweiz stammt aus dem Jahr 2012 (Rüetschi et al. 2012). Sie basiert auf Daten, die bis 2010 gesammelt wurden. Da das vom BAFU unterstützte "Rote-Liste-Verfahren" vorsieht, die bestehenden Listen alle 10 bis 15 Jahre zu aktualisieren, drängte sich die Lancierung einer neuen Felderhebung auf. Um dies zu erreichen, wurde eine Vorbereitungsphase des Projekts durchgeführt (2019-2020). Diese zielte darauf ab, das Protokoll und das Probenahmedesign zu optimieren, Spezialisten für die Durchführung der Feldaufnahmen und Bestimmungen zu suchen und das Budget für die operative Phase zu evaluieren.

Im Rahmen der operativen Phase werden drei Arten von Feldforschungen durchgeführt:

  1. Stichprobenquadrate: Diese Quadrate (km2) wurden aufgrund ihres Reichtums an prioritären terrestrischen und aquatischen Arten ausgewählt. Diese Art der Suche wird durch "Sichtjagd" durchgeführt, wobei auch Substratproben entnommen werden, um kleine Bodenarten aufzuspüren. Für Arten, die im Feld schwer zu identifizieren sind, werden Exemplare gesammelt (mindestens ein Exemplar pro km2). Diese Rückkehr in bereits in der Vergangenheit beprobte km2 ist nützlich, um herauszufinden, ob sich die Arten gehalten haben oder im Gegenteil verschwunden sind.
  2. Gezielte Suche: Dieses Modul bezieht sich auf sehr seltene und/oder sehr lokal vorkommende terrestrische und aquatische Arten, die sich den Probequadraten entziehen. Daher sind Besuche an diesen Orten vorgesehen, wobei auch andere beobachtete Molluskenarten erfasst werden. Für Arten, die im Feld schwer zu bestimmen sind, werden Proben gesammelt (mindestens eine pro km2).
  3. Das Programm Grosse Seen der Schweiz sieht vor, die Transekte aus der vorherigen Roten Liste in 15 grossen Seen nördlich und südlich der Alpen zu wiederholen, um die in diesen Lebensraumtypen vorkommenden aquatischen Molluskenarten nachzuweisen. Die Probenahme erfolgt vom Ufer bis in die tieferen Bereiche mithilfe eines Bootes, das mit einem an einer motorisierten Winde befestigten Greifer ausgestattet ist.
    Es sei darauf hingewiesen, dass auch die EPT-Gruppen gesammelt, archiviert und anschliessend aufbewahrt werden, um in die Arbeiten für die nächste Revision der Roten Liste der Eintagsfliegen (Ephemeroptera), Steinfliegen (Plecoptera) und Köcherfliegen (Trichoptera) einbezogen zu werden. Auf diese Weise werden die budgetierten See-Kampagnen qualitativ hochwertige Daten für die beiden Revisionsprojekte liefern.
publi

Dokumente & Publikationen

In der Schweiz werden 101 (41%) der 249 bewerteten Weichtierarten gemäss den IUCN-Kriterien als gefährdet eingestuft. 40 Arten (16%) werden als potenziell gefährdet geführt. Dabei gelten 40% der 181 Landschnecken sowie 43% der 68 Wasserschnecken und Muscheln als bedroht. Am stärksten betroffen sind Arten der Feuchtgebiete sowie der Quellen, der Trockenwiesen und der Übergangsgebiete. Für das Überleben mehrerer der vom Aussterben bedrohten oder der stark bedrohten Arten trägt die Schweiz eine grosse Verantwortung, da sie lokalendemisch in der Schweiz vorkommen.

Rüetschi J., Stucki P., Müller P., Vicentini H., Claude F. 2012: Rote Liste Weichtiere (Schnecken und Muscheln). Gefährdete Arten der Schweiz, Stand 2010. Bundesamt für Umwelt, Bern, und Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna, Neuenbu. Umwelt-Vollzug Nr. 1216. 148 S.
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François Claude

François Claude

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Mollusken

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