Direkt zum Inhalt

Hoplitis

Die Gattung Hoplitis ist sehr artenreich und umfasst weltweit fast 400 Arten. Der überwiegende Teil dieser Arten lebt in der Paläarktis, doch nur 16 Arten kommen derzeit noch in der Schweiz vor.

Früher wurde die Gattung Hoplitis als Untergattung von Osmia betrachtet, da sie sowohl morphologisch als auch ökologisch viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Genetische Studien zeigen jedoch, dass es sich um klar getrennte Gruppen handelt.

Wie erkennt man sie?

Weibchen der Gattung Hoplitis sind mittelgrosse (8–12 mm), eher gedrungene Bienen mit Bauchbürste (Scopa) auf der Bauchseite und oft mit hellen Haarbinden an den Tergiten. Die Männchen sind meist schlanker und langgestreckter und ähneln sich stark, was eine Bestimmung im Feld sehr erschwert. Es gibt kein auffälliges Merkmal, das Hoplitis-Arten leicht von anderen Megachiliden (v. a. Osmia) unterscheidet.

Unter der Binokularlupe lassen sich Weibchen anhand von Scopafarbe, der Struktur des dorsalen Propodeumfelds, der Form und Kante des Clypeus sowie der Farbe der Dornen an den Hintertibien unterscheiden. Männchen unterscheiden sich durch die Form des Tergits 7, der Genitalien, des Propodeums und der Antennenglieder.

  -
Hoplitis adunca ist eine häufige Art, spezialisiert auf den Pollen von Echium vulgare (Agasul ZH, 2003). Foto © Albert Krebs.

Zur Bestimmung der Schweizer Hoplitis-Arten steht ein Schlüssel im Band Apidae 4 (2004) der Reihe Fauna Helvetica zur Verfügung. In diesem Band werden Hoplitis und Protosmia noch als Teil von Osmia geführt. Eine PDF-Version kann kostenlos beim Centre Suisse de Cartographie de la Faune (CSCF) heruntergeladen werden.

Lebenszyklus und Nestbiologie

Alle Hoplitis-Arten in der Schweiz sind univoltin (eine Generation pro Jahr) und fliegen hauptsächlich im Sommer (Juni–August). Die Überwinterung erfolgt meist als Vorpuppe im Kokon. Die Männchen schlüpfen einige Tage vor den Weibchen und verbringen die Nacht einzeln oder in kleinen Gruppen in Nischen oder gelegentlich in Blüten.

Alle Hoplitis-Arten in der Schweiz sind solitär, es gibt aber andernorts auch kommunale Arten. Die Nistbiologie ist sehr vielfältig. Zwei Haupttypen kommen in der Schweiz vor:

  • Arten, die in Hohlräumen nisten (z. B. in Totholz oder Stängeln). Sie legen mehrere Zellen hintereinander an, getrennt durch Trennwände aus zerkauten Pflanzenblättern, Markstücken oder mineralischem Mörtel.
  • Arten, die in kleine Spalten oder unter Steinen nisten. Sie bauen jede Brutzelle separat aus verschiedensten Materialien wie Blütenblättern, Blättern, Steinchen, Mörtel usw. Ein Nest enthält meist 1–3 nebeneinanderliegende Zellen.
  -
Die Nistbiologie von Hoplitis ist sehr vielfältig. Einige Arten, wie H. villosa, verwenden Blütenblätter für den Bau ihrer Brutzellen (Engadin GR, 2001). Foto © Felix Amiet.

Hoplitis-Arten werden u. a. von Kuckucksbienen der Gattungen Coelioxys und Stelis parasitiert, aber auch von anderen parasitischen Hautflüglern wie Chrysididae oder Sapygidae.

Blütenpräferenzen

Die Blütenwahl innerhalb der Gattung Hoplitis ist sehr vielfältig. Es gibt streng spezialisierte Arten (manche auf nur eine Pflanzenart wie z. B. Echium vulgare) sowie generalistische. In der Schweiz spezialisieren sich Arten auf:

Eine Brutzelle erfordert 20–40 Sammelflüge und ist in ein bis zwei Tagen gefüllt, sofern das Wetter mitspielt.

  -
Hoplitis dalmatica ist oligolektisch und sammelt nur Pollen von Knautia und Scabiosa (Italien, Aostatal, Juli 1996). Foto © Andreas Müller.
Fortpflanzungsverhalten

Über das Paarungsverhalten ist wenig bekannt. Zu Beginn der Saison patrouillieren die Männchen massenhaft an den Nistplätzen, um auf schlüpfende Weibchen zu warten. Später fliegen sie meist entlang von durch Pheromone markierten Flugbahnen. Bei manchen Arten sind die Männchen territorial und vertreiben Konkurrenten. Diese Reviere befinden sich meist direkt bei den Blüten der Wirtspflanzen.

1 à 18 sur 18