Colletes
Die Gattung Colletes hat ihr Zentrum der Artenvielfalt in tropischen und gemässigten Regionen. Sie ist auf fast allen Kontinenten verbreitet – mit Ausnahme der indoaustralischen Zone. Weltweit sind rund 330 Arten bekannt, wobei fast die Hälfte im paläarktischen Raum vorkommt. In Europa sind 60 Arten nachgewiesen, von denen heute noch 12 in der Schweiz vorkommen (historisch 14).
Colletes gehört zur Familie der Colletidae. Zusammen mit der Gattung Hylaeus sind dies die einzigen Vertreter dieser Familie in der Schweiz. Diese Familie wurde lange als basale Gruppe der Bienen angesehen – nahe verwandt mit den Wespen. Grund dafür ist die kurze, zweigespaltene Zunge, die als ursprünglich galt und an die Zungen der Wespen erinnert. Heute weiss man durch genetische Analysen, dass es sich dabei um ein abgeleitetes Merkmal handelt, das mit der Fähigkeit zusammenhängt, eine wasserundurchlässige, cellophanartige Schicht auf die Zellwände aufzutragen (daher der deutsche Name «Seidenbiene»).
Wie erkennt man sie?
Colletes-Arten sind im Gelände relativ gut erkennbar durch 1) ihren kurzen, stark dreieckigen Kopf mit hervortretenden Augen, 2) den konisch geformten, schwarzen Hinterleib mit wenig Behaarung ausser an den Hinterrändern der Tergite (dichte, helle Haarbinden; Ausnahme: C. cunicularius, dessen Behaarung länger, dunkler und weniger gebändert ist), sowie 3) ihre sehr kurze, zweigespaltene Zunge. Unter dem Binokular ist zudem eine S-förmige Aderung der zweiten Diskoidalzelle zu erkennen, die typisch für die Gattung ist. Die Bienen sind mittelgross (8–12 mm), nur C. cunicularius und C. hederae sind deutlich grösser (bis 14 mm).
Die Gattung ist morphologisch sehr einheitlich – die Arten lassen sich im Gelände praktisch nicht unterscheiden, mit Ausnahme von C. cunicularius, der sich durch Grösse, Behaarung und frühe Flugzeit klar unterscheidet. Allerdings kann sie mit Apis mellifera oder grossen Andrena-Arten wie A. scotica verwechselt werden. Für einige Arten lässt sich die Bestimmung mit Kenntnis der Blütenpräferenzen eingrenzen.
Weibchen und Männchen ähneln sich stark. Männchen sind allerdings generalistischer, da sie keinen Pollen sammeln, und lassen sich im Gelände meist nicht bestimmen – wiederum mit Ausnahme von C. cunicularius. Ihre Präsenz an bestimmten Pflanzen kann aber Hinweise geben.
Selbst mit Binokular ist die Bestimmung schwierig: zentrale Merkmale sind Farbe und Dichte der Behaarung (variabel je nach Alter), Punktierung sowie Morphologie des Clypeus, des Propodeums und der Sternite (v.a. bei Männchen die Sternite 6 und 7 sowie die Genitalien).
Ein Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Colletes-Arten ist in der revidierten Ausgabe von Apidae 2 (2014, Fauna Helvetica) enthalten. Bestellbar im Online-Shop des CSCF.
Lebenszyklus und Nestbiologie
Mit Ausnahme von C. cunicularius, einer Frühlingsart, sind alle Colletes-Arten Spätsommerbienen. Sie fliegen ab Juni bis in den Herbst hinein – etwa C. succinctus und C. hederae bis September. Männchen erscheinen einige Tage vor den Weibchen und warten bei den Nistplätzen. Sie übernachten oft in selbstgegrabenen Erdmulden. Überwintert wird meist im Puppenstadium, gelegentlich auch als Imago.
Alle Colletes-Arten sind solitär, bilden aber meist grössere Nistaggregationen mit hunderten von Nestern. Die Nester befinden sich je nach Art in lockerem Sandboden oder in steileren Sandwänden. Die Struktur variiert je nach Art: bei manchen führen von einer Hauptgalerie mehrere Nebengänge zu einzelnen Brutzellen, bei anderen sind die Zellen linear entlang einer Galerie angeordnet. Die Pollenvorräte sind sehr flüssig – ein fester Pollenklumpen fehlt. Das Ei wird seitlich an der Zellwand abgelegt. Die Zelle wird mit einem seidenartigen Film verschlossen, produziert aus einem Sekret der Dufour-Drüse und der Labialdrüsen. Dieser wird mit der spezialisierten Zunge aufgetragen und von einem antibakteriellen/antifungalen Mandibelsekret überzogen. Die Larven spinnen keinen Kokon.
Parasitierte werden Colletes-Arten durch Kuckucksbienen der Gattung Epeolus sowie Sphecodes albilabris.
Blütenpräferenzen
Von den 12 Schweizer Arten sind 6 strikt oligolektisch, 6 mehr oder weniger polylektisch. Spezialisten sind z. B. C. daviesanus, C. fodiens, C. similis und C. collaris auf Asteraceae, C. sierrensis auf Odontites, C. succinctus auf Ericaceae. Die polylektischen Arten bevorzugen meist 1–2 Pflanzenfamilien: C. marginatus Fabaceae/Orobanchaceae, C. floralis Apiaceae, C. cunicularius Salicaceae, C. hederae Araliaceae (Hedera helix).
Der Pollen wird an der Scopa am Hinterschenkel, am Femur sowie seitlich am Propodeum transportiert.
Fortpflanzungsverhalten
Männchen patrouillieren an den Nistplätzen oder Blüten und warten auf Weibchen. Sie fliegen dabei oft in grosser Zahl im Zickzack knapp über dem Boden. Teilweise graben sie sogar in den Boden, um an frisch geschlüpfte Weibchen zu gelangen. Die Paarung findet meist direkt am Boden statt, dauert 2–8 Minuten, und jedes Weibchen wird nur einmal begattet.
| Espèce | Nom vernaculaire | Groupe (scientifique) |
|---|---|---|
| Colletes collaris Dours, 1872 | ||
| Colletes cunicularius (Linnaeus, 1761) | ||
| Colletes daviesanus Smith, 1846 | ||
| Colletes floralis Eversmann, 1852 | ||
| Colletes fodiens (Geoffroy, 1785) | ||
| Colletes gallicus Radoszkowski, 1891 | ||
| Colletes halophilus Verhoeff, 1944 | ||
| Colletes hederae Schmidt & Westrich, 1993 | ||
| Colletes impunctatus Nylander, 1852 | ||
| Colletes marginatus Smith, 1846 | ||
| Colletes mlokossewiczi Radoszkowski, 1891 | ||
| Colletes nigricans Gistel, 1857 | ||
| Colletes sierrensis Frey-Gessner, 1903 | ||
| Colletes similis Schenck, 1853 | ||
| Colletes succinctus (Linnaeus, 1758) |