Melitta
Mit 43 Arten weltweit ist die Gattung Melitta eine der artenreichsten Gattungen innerhalb der Familie Melittidae. Sie ist in der Paläarktis, der Nearktis sowie in Süd- und Ostafrika verbreitet, mit einem Diversitätszentrum in der Paläarktis. In der Schweiz sind fünf Arten vertreten.
Die Arten der Gattung Melitta sind kurzrüsselige, eher unauffällige Bienen. Bei den Weibchen beschränkt sich die Behaarung des Abdomens meist auf feine Haarbinden an den Tergitenrändern. Alle in der Schweiz vorkommenden Arten sind oligolektisch, die meisten sammeln Pollen ausschliesslich von einer einzigen Pflanzengattung.
Wie erkennt man sie?
Die Gattung Melitta umfasst mittelgrosse bis grosse Bienen (10–14 mm) mit gedrungenem Körperbau, dichter Behaarung auf dem Mesonotum und Haarbinden an den Tergitenrändern. Ein wichtiges Merkmal ist das stark keulenartig verbreiterte letzte Tarsenglied an allen Beinen beider Geschlechter – ein diagnostisches Kriterium, das mit blossem Auge (mit der Biene in der Hand) oder auf Fotos sichtbar ist.
Melitta-Arten besitzen drei Cubitalzellen, wobei die erste die grösste und die zweite die kleinste ist. Ihr allgemeiner Körperbau erinnert an gewisse Halictus-Arten (v. a. H. simplex agg.) oder an Andrena (z. B. A. flavipes), unterscheidet sich aber durch morphologische Merkmale wie das Fehlen einer Längsfurche auf Tergit 5, das Fehlen der Fovea bei Weibchen und eben das keulenförmige Tarsenglied.
Weibchen haben einen recht eckigen Kopf, abgestumpfte Fühlerenden, ein dicht behaartes Mesonotum sowie klare Haarbinden an den Tergitenrändern. Das Endhaarband auf Tergit 5 ist in der Regel gut sichtbar. Männchen ähneln den Weibchen stark, weisen aber mitunter längere Behaarung am Abdomen und verbreiterte Fühlerglieder auf. Mit etwas Erfahrung lassen sich alle Arten der Gattung im Feld anhand von Morphologie und Blütenpräferenz bestimmen.
Ein Bestimmungsschlüssel zur Gattung Melitta findet sich im Band Apidae 5 der Reihe Fauna Helvetica von 2007. Dieser enthält auch Schlüssel zu Anthophora, Eucera, Nomada u. a. Da das Buch vergriffen ist, kann ein PDF kostenlos heruntergeladen werden.
Lebenszyklus und Nestbau
Die Melitta-Arten sind solitäre Bienen, die im Spätfrühling und/oder Sommer fliegen. Die Männchen schlüpfen 1–2 Wochen vor den Weibchen. Die Larven spinnen einen doppelwandigen Kokon. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gattungen entleeren sich die Larven von Melitta nach dem Bau des Kokons. Die Überwinterung erfolgt ald Präpuppe.
Die Nistbiologie ist bislang wenig erforscht. Melitta-Arten graben ihre Nester meist in spärlich bewachsenen Böden. Die Eingänge liegen oft an Grasbüscheln und sind von kleinen Erdhügeln umgeben. Das Nest von M. leporina wurde von Celary (2006) detailliert beschrieben: Es besteht aus einem leicht geschlängelten, 20–40 cm tiefen Hauptgang mit kurzen, waagrechten Seitengängen, an deren Ende sich leicht geneigte Brutzellen befinden. Die Zellwände sind glatt und mit einer Schutzschicht überzogen – vermutlich aus Dufour-Drüsensekret. Der Pollenvorrat wird direkt vor der Eiablage eingebracht, danach erfolgt der spiralförmige Verschluss der Zelle. Ein Nest kann bis zu 15 Zellen enthalten.
Die meisten Melitta-Arten werden von der Kuckucksbiene Nomada flavopicta parasitiert. Melitta haemorrhoidalis ist zudem Hauptwirt von N. emarginata.
Blütenpräferenzen
Alle Melitta-Arten sind streng oligolektisch. Vier Arten sind auf eine Pflanzengattung spezialisiert: M. dimidiata auf Onobrychis (Fabaceae), M. haemorrhoidalis auf Campanula (Campanulaceae), M. nigricans auf Lythrum (Lythraceae) und M. tricincta auf Odontites (Orobanchaceae). M. leporina ist auf Fabaceae spezialisiert, mit Vorliebe für Medicago sativa.
Weibchen sammeln Pollen und Nektar gleichzeitig. Der Pollen wird dabei direkt mit Nektar vermischt, wodurch eine klebrige Masse entsteht, die in der Scopa der Hinterbeine transportiert wird. Die Sammelreviere sind klein – die Bienen entfernen sich kaum mehr als 100 m vom Nest. Bei M. leporina sind durchschnittlich 15 Sammelflüge nötig, um eine Brutzelle zu versorgen – an einem guten Tag schafft das ein Weibchen problemlos.
Fortpflanzungsverhalten
Die Männchen patrouillieren intensiv in der Nähe der Wirtspflanzen auf der Suche nach Weibchen. Sie fliegen sehr schnell und setzen sich nur zum Nektarsaugen oder zur Paarung nieder. Weibchen sind vermutlich monogam – ältere Weibchen werden kaum noch von Männchen angeflogen. Die Männchen schlafen meist in Gruppen von etwa zehn Individuen auf frischen oder bereits verwelkten Blütenständen. Solche Schlafplätze werden offenbar an mehreren Abenden hintereinander aufgesucht.
| Espèce | Nom vernaculaire | Groupe (scientifique) |
|---|---|---|
| Melitta dimidiata Morawitz, 1876 | ||
| Melitta haemorrhoidalis (Fabricius, 1775) | ||
| Melitta leporina (Panzer, 1799) | ||
| Melitta nigricans Alfken, 1905 | ||
| Melitta tricincta Kirby, 1802 | ||
| Melitta wankowiczi (Radoszkowski, 1891) |