Direkt zum Inhalt

Chelostoma

Die Gattung Chelostoma ist auf den paläarktischen Raum beschränkt. Weltweit sind rund zwanzig Arten bekannt, von denen sieben in der Schweiz vorkommen.

Es handelt sich ausschliesslich um streng oligolektische, eher sommeraktive Bienen, die in bereits bestehenden Hohlräumen nisten.

Wie erkennt man sie?

Die Gattung Chelostoma umfasst Arten variabler Grösse mit einem sehr schlanken, schwarzen Körper, einem grossen Kopf mit vorstehendem Labrum und meist kräftigen Mandibeln. Der Thorax ist auffällig langgestreckt und wirkt flach – das dorsale Propodeum und das Postscutellum liegen in derselben Ebene wie das Mesonotum.

Innerhalb der Gattung lassen sich zwei Artengruppen unterscheiden: Die erste umfasst sehr kleine Arten (5–6 mm), bei denen die Tergitränder kaum behaart sind. Die zweite Gruppe besteht aus grösseren Arten (7–14 mm), bei denen die Tergite deutlich weiss behaarte Ränder aufweisen.

Die kleinen Arten können leicht mit anderen kleinen Bienen wie z. B. Lasioglossum verwechselt werden, haben aber ein schmaleres Abdomen, einen breiteren Kopf und eine Bauchbürste (nicht tibial). Die grösseren Arten ähneln Heriades und Hoplitis leucomelana, sind jedoch länger, haben einen kürzeren Thorax und grössere Mandibeln.

  -
Chelostoma florisomne ist eine häufige Art, die auf Ranunculaceae spezialisiert ist (Agasul ZH, 1999). Foto © Albert Krebs.

Eine Bestimmung im Gelände ist nur für die grösseren Arten möglich – basierend auf Blütenpräferenzen, da jede Art auf eine Pflanzenfamilie spezialisiert ist. Auch Männchen können so bestimmt werden, da sie bei den Wirtspflanzen der Weibchen patrouillieren und dort oft übernachten.

Unter dem Binokular unterscheidet man Weibchen anhand der Clypeusform, dem Labrum, der Kopfform und der Breite des dorsalen Propodeums. Bei Männchen sind das Tergit 7 und die Antennenglieder entscheidend.

Ein Bestimmungsschlüssel findet sich im Band Apidae 4 (Fauna Helvetica, 2004), der leider vergriffen ist, kann jedoch als PDF heruntergeladen werden.

Lebenszyklus und Nestbiologie

Die meisten Chelostoma-Arten fliegen ab Mai bis August oder September. Arten auf Ranunculaceae fliegen früher, etwa April bis Juli. Alle Arten sind univoltin. Männchen schlüpfen 3–7 Tage vor den Weibchen und schlafen oft in Blüten.

  -
Chelostoma campanulorum ist eine Sommerart, spezialisiert auf Campanulaceae (Agasul ZH, 1991). Foto © Albert Krebs.

Alle Arten sind solitär. Die Weibchen nisten in bereits bestehenden Hohlräumen in Holz oder Pflanzenstängeln (z. B. Schilfrohr). Sie nutzen bevorzugt Käfergänge oder Hohlräume in Strohdächern. Die Brutzellen werden hintereinander in eine horizontale Galerie gebaut und durch dünne Mörtelwände getrennt.

Der Nestbau beginnt mit einer Mörtelwand am Gangende, gefolgt von der Anlage der Pollen-Nektar-Vorräte. Das Ei wird daran angeheftet. Die Larve entwickelt sich bis zur Verpuppung in einem Kokon. Überwintert wird als Puppe oder Präpuppe. Ein Nest enthält durchschnittlich 2–3 Zellen (1–5), verschlossen durch eine dicke Mörtelwand aus Erde, oft mit kleinen Steinchen. Zwischen letzter Zelle und Eingang bleibt oft ein Leerraum, bei C. florisomne wechseln sich Brut- und Leerzellen sogar ab.

Einziger bekannter Kuckuck ist Stelis minima, die auf C. campanulorum und evtl. C. distinctum spezialisiert ist. Auch parasitische Wespen wie Sapyga clavicornis und Arten der Gattung Ephialtes sind häufige Nestparasiten.

Blütenpräferenzen

Alle Chelostoma-Arten sind strikt auf eine Pollentyp spezialisiert: vier Arten auf Campanulaceae, zwei auf Ranunculaceae und C. grande auf Caprifoliaceae (Knautia, Scabiosa). Die Weibchen sammeln sehr effizient, z. B. braucht C. florisomne nur etwa 20 Min. pro Sammelflug. Der Pollen wird wie bei allen Megachilidae an der Bauchbürste transportiert.

Fortpflanzungsverhalten

Männchen patrouillieren intensiv an den Blüten ihrer Wirtspflanzen, wo es häufig direkt zur Kopulation kommt.

1 à 7 sur 7