Xylocopa
Die Gattung Xylocopa ist eine artenreiche Gruppe mit weltweit rund 500 Arten. Ihr Zentrum der Diversität liegt in den tropischen und subtropischen Regionen. In der Schweiz sind nur drei Arten vertreten.
Die Arten der Gattung Xylocopa sind grosse, tiefschwarze Bienen, deren Grösse mit derjenigen der Hummeln (Bombus) vergleichbar ist. Sie besitzen eine lange Zunge und nisten – wie ihr deutscher Name «Holzbienen» andeutet – meist in totem Holz. Die Weibchen sind generalistische Pollensammlerinnen und transportieren den Pollen in einer Bürste an den Hinterbeinen sowie im Honigmagen.
Wie erkennt man sie?
Die Gattung Xylocopa umfasst sehr grosse Bienen (15–28 mm), die im Feld kaum mit anderen Arten verwechselt werden können. Sie haben einen massigen, schwarzen Körper mit spärlicher Behaarung im Vergleich zu Bombus-Arten. Die Flügel sind durchgehend dunkel gefärbt. Die Scopa liegt auf dem Tibia und Metatarsus der Hinterbeine (im Gegensatz zu Megachile parietina, wo die Scopa unter dem Abdomen liegt). Die Unterscheidung der drei Schweizer Arten ist im Feld schwierig: X. iris ist deutlich kleiner und hat ein stark bläulich schimmerndes Abdomen; die Weibchen von X. valga und X. violacea lassen sich nur unter der Binokularlupe unterscheiden, während die Männchen anhand der Farbe der Antennenglieder 11 und 12 zu trennen sind (schwarz bei X. valga, gelb bei X. violacea). Bei den Weibchen sind folgende Merkmale diagnostisch: Färbung des Abdomens, Struktur und Spitze des dritten Tibias (Anzahl und Anordnung der Dornen), Form der Pygidialplatte und Punktierung der Stirn. Bei den Männchen: Bauchfärbung, Färbung der letzten Antennenglieder, Vorhandensein und Form der Metatarsus-3-Auswölbung sowie Form des Femurs 3.
Ein Bestimmungsschlüssel zur Gattung Xylocopa findet sich im Buch Apidae 5 (Fauna Helvetica, 2007). Dieses enthält auch Schlüssel zu weiteren Gattungen, u. a. Anthophora, Eucera und Ceratina. Da das Buch vergriffen ist, kann eine PDF-Version kostenlos beim Zentrum für die Kartierung der Fauna (CSCF) heruntergeladen werden.
Lebenszyklus und Nestbiologie
In Europa sind Xylocopa-Arten solitäre, univoltine Bienen mit einem für soziale Arten typischen Flugverhalten. Die Flugzeit ist sehr lang (ca. März bis Oktober), und beide Geschlechter überwintern als junge Erwachsene. Im Frühling verlassen die überwinterten Tiere ihre Ruheplätze. Männchen erscheinen meist früher als Weibchen (Häufigkeitsmaximum oft im Mai vs. Juni/Juli). Nach der Paarung beginnen die Weibchen mit dem Nestbau. Die Entwicklung vom Ei bis zum Adulttier dauert 6–8 Wochen. Die Larven spinnen keinen Kokon. Im Spätsommer verlässt die neue Generation das Nest, um sich zu ernähren und einen Überwinterungsplatz zu suchen. Die Überwinterung erfolgt oft gemeinschaftlich im Mutternest.
Xylocopa-Arten sind Holzbohrerinnen. X. valga und X. violacea nisten in altem, meist leicht vermodertem Hartholz, während X. iris in markhaltigen und hohlen Pflanzenstängel (ca. 15 mm Durchmesser, meist Asteraceae oder Apiaceae) nistet. Die Nester werden in den unteren Teil der Stängel gebohrt, wobei die Spitze abgeschnitten wird (max. 60 cm Höhe). Der Bau beginnt von unten, wobei die erste Brutzelle durch einen Markpfropfen von der Schnittstelle abgetrennt wird. Ein Nest enthält 5–7 Brutzellen, die durch Markwände mit Sekreten der Weibchen getrennt sind.
Bei X. valga und X. violacea bestehen die Nester aus linearen Gängen (z. B. in Bambus oder schmalen Holzpfählen) oder aus gestaffelten, linearen Gängen in einer Ebene (z. B. in alten Bäumen oder Gebäudebalken). Grössere Nester enthalten bis über 20 Zellen. Die Trennwände bestehen aus mit Sekreten vermischtem Holzmehl. Die Muttertiere sind bei Emergenz der Jungtiere meist noch anwesend. Es ist unklar, ob sie ihren Nachkommen helfen, z. B. durch Fütterung – ein Verhalten, das von sozialen Xylocopa-Arten bekannt ist.
Keine Kuckucksbiene parasitiert die Schweizer Xylocopa-Arten, jedoch wurden verschiedene Fliegen (Bombyliidae) und parasitoide Wespen (Eurytomidae) in den Nestern von X. violacea nachgewiesen.
Blütenpräferenzen
Alle einheimischen Xylocopa-Arten sind stark polylektisch, bevorzugen jedoch Pollen von Fabaceae und Lamiaceae. Auch Asteraceae, Apiaceae und Rosaceae werden regelmässig genutzt. Der Pollen wird einerseits in der Scopa transportiert, andererseits auch oral aufgenommen und im Honigmagen gespeichert. Mehrere Arten stehlen Nektar durch Beissen an der Basis von Blüten mit langer Röhre – dieses Verhalten ist jedoch in Europa eher selten.
Fortpflanzungsverhalten
Die Fortpflanzung beginnt im Frühling nach Beendigung der Diapause. Die Paarung findet meist an Blütenplätzen, seltener in der Nähe der Nester statt. Männchen patrouillieren entlang von Flugwegen, greifen Weibchen im Flug an und landen mit ihnen zur Kopulation. Einige Männchen zeigen Territorialverhalten: sie besetzen Sitzwarten und greifen alles an, was sich nähert. Männchen und Weibchen paaren sich mehrfach. Beide Geschlechter zeigen eine gewisse Partnerwahl: Männchen versuchen nicht jede Weibchen zu begatten, Weibchen wehren sich nicht bei jedem Annäherungsversuch. Die Männchen von X. valga und X. violacea besitzen Thoraxdrüsen, deren Ausgänge sich zwischen Postscutellum und Propodeum befinden. Diese Drüsen könnten eine Rolle bei der Paarung oder der sozialen Kommunikation spielen – dies ist noch ungeklärt.
| Espèce | Nom vernaculaire | Groupe (scientifique) |
|---|---|---|
| Xylocopa iris (Christ, 1791) | ||
| Xylocopa valga Gerstäcker, 1872 | ||
| Xylocopa violacea (Linnaeus, 1758) |