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Eucera

Der Gattungskomplex der Gattung Eucera ist eine sehr vielfältige Gruppe, die weltweit etwa 390 Arten umfasst. Die Arten kommen auf allen Kontinenten außer Australien (und der Antarktis) vor. Das Zentrum der Vielfalt dieser Gruppe liegt in den Steppengebieten des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens.

Die Systematik der Gattung Eucera ist noch nicht vollständig geklärt. Historisch wurde dieser Komplex in zwei Gattungen unterteilt, Eucera und Tetralonia. Die Trennung der Arten zwischen diesen beiden Gattungen basierte in erster Linie auf der Anzahl der Cubitalzellen, zwei für die Gattung Eucera, drei für die Gattung Tetralonia.

Die Gattung Eucera umfasst alle Arten mit zwei Cubitalzellen sowie die drei-zelligen Arten der Untergattung Synhalonia, während die Gattung Tetralonia alle übrigen Arten mit drei Cubitalzellen einschliesst – darunter auch Arten, die früher der Gattung Tetraloniella zugeordnet wurden.

In einer phylogenetischen Studie zu diesem Komplex bestätigen Dorchin et al. (2018) die Platzierung von Synhalonia in der Nähe der Gattung Eucera. Aufgrund der Paraphylie der dreizelligen Cubital-Artengruppen (einschließlich der Gattungen Tetralonia und Tetraloniella) schlagen die Autoren vor, alle diese Gruppen in eine große Gattung Eucera zusammenzufassen, die sowohl zwei- als auch dreizellige Arten enthalten würde. Da diese Klassifikation nicht von allen Autoren befolgt wurde und um die Konsistenz mit den Schweizer Bestimmungsschlüsseln zu wahren, behalten wir die klassische Systematik bei und betrachten zwei getrennte Gattungen, Eucera und Tetralonia.

In der Schweiz gibt es sechs Arten der Gattung Eucera. Wobei eine Art (E. hungarica) ausgestorben ist.

Wie erkennt man sie?

Die Gattung Eucera besteht aus großen Bienen (12-15 mm) mit einem stummeligen Thorax und Abdomen. Wie oben erwähnt, haben die hier in die Gattung Eucera gestellten Arten nur zwei Cubitalzellen (drei bei E. hungarica), wobei die zweite größer ist als die erste. Mit ein wenig Erfahrung ist die Gattung Eucera im Feld leicht an der Größe der Arten und ihrer typischen Morphologie zu erkennen. Die eng verwandten Gattungen Anthophora oder Tetralonia haben drei Cubitalzellen. Die Weibchen zeichnen sich durch ihren breiten Kopf und ihr völlig schwarzes Gesicht aus, ihr Mesonotum ist mit dichter und regelmäßiger Behaarung bedeckt, und ihr breiter Hinterleib, bei dem der Rand der Tergite 2-5 mit einer breiten Binde aus hellen Haaren bedeckt ist (oft unterbrochen auf den Tergiten 2 und 3, aber oft an den Seiten nach hinten verlaufend). Die Männchen erkennt man an ihrer Größe und den sehr langen Fühlern (gleich groß wie der Körper), sowie an ihrem oft komplett gelben Clypeus. Die verschiedenen Arten der Gattung Eucera sind im Freiland schwer zu unterscheiden, eine sichere Identifizierung erfordert den Einsatz eines Binokulars.

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Männchen der Gattung Eucera haben sehr lange Fühler und das Gesicht ist teilweise gelb. Hier, E. longicornis. Foto © Sophie Giriens.

Zur Bestimmung der Gattung Eucera ist ein Bestimmungsschlüssel im Buch Apidae 5 vorhanden. (Amiet et al. 2007). Die vorläufige Version des Schlüssels zu den Eucerini Kontinentalfrankreichs von Aubert (2020) fügt viele nützliche Kriterien für die Bestimmung der Schweizer Arten hinzu.

Lebenszyklus und Nistbiologie

Die Bienen der Gattung Eucera sind Frühjahrs- oder Sommerarten. Sie bilden nur eine Generation pro Jahr, wobei die Männchen meist 1-2 Wochen vor den Weibchen schlüpfen. Die Larven bilden einen zweischichtigen Kokon. Normalerweise überwintern die Individuen in ihrem Kokon im präpupalen Stadium, aber bei einigen Arten, z. B. E. longicornis, haben einige Individuen bereits das adulte Stadium erreicht, wenn der Winter eintrifft.

Sie sind grabende Arten und neigen dazu, in spärlich oder nicht begrünten Böden zu nisten. Sie bilden manchmal große Nistaggregationen. Über die Nistbiologie der verschiedenen Arten ist wenig bekannt, lediglich das Nest von E. longicornis wurde von mehreren Autoren beschrieben, darunter Höppner (1901). Es besteht aus einem Hauptgang, der etwa zehn Zentimeter lang mehr oder weniger senkrecht verläuft, bevor er eine stumpfe Biegung bildet. Nach der Biegung verzweigt sich der Hauptgang in mehrere kurze Nebengänge, die jeweils in einer Brutzelle enden. Die Zellen haben eine ovale Form und sind senkrecht oder schräg angeordnet. Ihre Innenwand ist glatt und mit einer dünnen Schutzschicht überzogen. Die Versorgung ist besonders flüssig. Das Ei wird direkt auf diese zähflüssige Masse gelegt. Die Zelle wird dann mit einem spiralförmigen Pfropfen aus Erde verschlossen. Ein Nest kann bis zu 7 Zellen enthalten.

Eucera longicornis und E. nigrescens, sowie wahrscheinlich auch E. interrupta, werden von der Kuckucksbiene Nomada sexfasciata parasitiert. E. interrupta ist auch der Hauptwirt von N. nobilis.

Blütenpräferenzen

Alle Arten der Gattung Eucera sind oligolektisch und sammeln nur Pollen von Fabaceae. Mehrere Arten sammeln bevorzugt auf der Gattung Vicia, aber auch Pollen von vielen anderen Gattungen wird genutzt.

Paarungsstrategie

Die Männchen der meisten Arten patrouillieren auf der Suche nach Weibchen intensiv um die Wirtspflanzen herum. Bei E. longicornis hingegen warten die Männchen meist an den Nistplätzen auf die Weibchen und paaren sich mit ihnen am Boden, wenn sie aus dem Nest kommen.

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