Lithurgus
Die Gattung Lithurgus gehört zur Familie der Megachilidae und umfasst weltweit 26 Arten. In der Schweiz ist bisher lediglich eine Art nachgewiesen Lithurgus chrysurus, doch in der Paläarktis sind insgesamt sieben Arten vertreten. Einen Schwerpunkt hat die Gattung in Australien, wo zahlreiche weitere Arten vorkommen. Steinbienen zählen zu den Bauchsammlerinnen und stehen der Gattung Megachile in ihrer Morphologie und ihrem Nestverhalten nahe, unterscheiden sich jedoch in mehreren wesentlichen Merkmalen.
Lithurgus-Arten sind mittelgrosse bis grosse Wildbienen und erreichen in der Schweiz eine Grösse von 10-14 mm, weltweit etwa 8 bis 19 mm. Der Hinterleib ist abgeflacht und in der Regel mit auffälligen Haarbinden versehen. Im Habitus ähneln sie der Gattung Megachile, doch ist eine Ansprache im Feld gut möglich.
Wie erkennt man sie?
In der Schweiz ist Lithurgus chrysurus derzeit die einzige nachgewiesene Art der Gattung – was die Bestimmung im Feld deutlich vereinfacht. Die Art lässt sich durch folgende Merkmale zuverlässig unterscheiden:
Keine Pulvilli: Wie Megachile besitzen auch Lithurgus-Arten keine Pulvilli (Haftlappen) an den Tarsen.
Bidentate Mandibeln: Die Oberkiefer sind zweizähnig und im Vergleich zu Megachile schmaler gebaut.
Weibchen mit auffälligem Stirnhöcker unterhalb der Fühleransätze; das Abdomen glänzt schwarz und ist am Ende dicht rotbraun behaart. Zudem tragen sie eine helle Bauchbürste (Scopa) und weisse Seitenbinden auf den Tergiten.
Männchen sind vollständig mit langer, rotbrauner Behaarung bedeckt. Charakteristisch ist die spitz ausgezogene Pygidialplatte am letzten Hinterleibssegment, die wie ein kleiner Dorn wirkt.
Flugverhalten und Lebensraum: Die Art fliegt ausschliesslich im Sommer und ist auf warmen, offenen Flächen anzutreffen – oft in der Nähe von Centaurea-Beständen.
Lebenszyklus und Nistbiologie
Lithurgus chrysurus ist eine typische Sommerart mit einer Generation pro Jahr. Die Flugzeit liegt im Juli und August. Die Nester werden selbst in Totholz genagt, bevorzugt in abgelagertem Hartholz wie Populus, Fraxinus, Malus, Pyrus, Pinus oder auch in verbauten Holzelementen wie Pergolen oder Strommasten (Roberts 1978, Rust et al. 2004, Westrich 2018).
Die Art zeigt eine gewisse Spezialisierung bei der Wahl des Niststandorts, obwohl sie unterschiedliche Holzarten nutzt. Geeignete Strukturen können über Jahre hinweg von mehreren Weibchen gleichzeitig und von Generation zu Generation genutzt werden.
Die Nester bestehen aus einem Hauptgang mit mehreren kurzen Seitengängen, in denen je 1–3 Brutzellen liegen. Die Zellen werden ohne Auskleidung mit einer Pollen-Nektar-Mischung versorgt. Charakteristisch ist die zweiphasige Verproviantierung: Ein Teil des Futters wird vor der Eiablage eingebracht, der grössere Teil danach (Rozen 2013). Die Larven entwickeln sich in drei bis vier Wochen, spinnen einen dünnen Kokon und überwintern als Ruhelarve (Rozen & Wyman 2014).
Blütenpräferenzen
Lithurgus chrysurus* ist oligolektisch auf Carduoideae (Asteraceae) spezialisiert, insbesondere auf Centaurea (Amiet et al. 2004, Rust et al. 2004). Weibchen zeigen ein charakteristisches Sammelverhalten: Sie dringen kopfwärts in die Staubblätter der Blüten ein, rotieren dabei um die eigene Achse und streifen den Pollen mit den Beinen in die Bauchbürste ab.
Paarungsstrategie
Männchen patrouillieren häufig in der Nähe der bevorzugten Pollenpflanzen. Die Paarung erfolgt meist direkt an den Blüten. Dabei halten sich die Männchen mit den Vorder- und Mittelbeinen am Weibchen fest und klopfen mit den Hinterbeinen gegen dessen Abdomen. Beobachtungen zeigen, dass Männchen sich teils über längere Zeit an Weibchen klammern und mit diesen gemeinsam von Blüte zu Blüte fliegen (L. Achtnich, persönliche Beobachtung, Weigand 2005).
| Espèce | Nom vernaculaire | Groupe (scientifique) |
|---|---|---|
| Lithurgus chrysurus Fonscolombe, 1834 |