Direkt zum Inhalt

Stelis

Die Gattung Stelis gehört zur Familie der Megachilidae und ist weltweit mit rund 105 Arten vertreten. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in der Holarktis, einzelne Arten kommen auch in den Tropen vor. In Europa sind rund 29 Arten bekannt, davon wurden 12 Arten auch in der Schweiz nachgewiesen, eine Art (Stelis annulata) gilt als ausgestorben.

Stelis-Arten sind kleptoparasitisch, d. h. sie legen ihre Eier in die Nester anderer Wildbienen – meist Angehörige der Megachilinae – und lassen ihre Larven vom eingetragenen Nahrungsvorrat der Wirtsbienen leben. Der Gattungsname Stelis verweist auf diese Lebensweise: er stammt vom griechischen Wort für „Mistel“, einer parasitischen Pflanze. (Kasparek 2015)

  -
Weibchen von S. punctulatissima auf einer Blüte von Cirsium palustre. Die typisch gedrungene Körperform ist erkennbar (Ces TI, Mitte Juli 2024). Foto © Lorenz Achtnich.

Wie erkennt man sie?

Die Gattung Stelis umfasst kleine bis mittelgrosse Bienen (4–14 mm), deren Färbung entweder rein dunkel oder mit gelber Zeichnung ist. Die gelb-schwarz gezeichneten Arten ähneln in ihrer Färbung stark ihren Wirten – vor allem Arten der Gattung Anthidium. Wichtige Merkmale:

fehlende Scopa bei Weibchen

Abgerundetes Scutellum, ohne Dornen

Flügel mit typischer Megachiliden-Aderung

Im Gelände sind Stelis-Arten nur schwer bestimmbar. Die Unterscheidung der Arten erfolgt hauptsächlich anhand der männlichen Genitalien sowie weiterer nur unter dem Binokular erkennbarer Merkmale. Die Ähnlichkeit zu Wirtsgattungen wie Anthidium oder Anthidiellum erschwert erschwert das Erkennen der Gattung aus der Distanz. Weibchen lassen sich häufig nur durch das Fehlen einer Bauchbürste von ähnlichen Wirtsarten abgrenzen.

Lebenszyklus und Nistbiologie

Alle Arten der Gattung Stelis sind obligate Brutparasiten. Die Weibchen legen ihre Eier in noch offene oder nur teilweise verschlossene Brutzellen ihrer Wirtsarten. Sie besuchen Nester wiederholt und parasitieren mehrere Zellen. Die Larve schlüpft in der Regel vor der Wirtslarve und tötet diese mit ihren kräftigen Mandibeln (Michener 2007).

Nach der Eliminierung des Wirts entwickelt sich die Stelis-Larve auf dem eingelagerten Pollenvorrat. Sie spinnt einen zarten, seidigen Kokon, in dem sie als Ruhelarve überwintert. Die Verpuppung und der Schlupf der erwachsenen Tiere erfolgen im darauffolgenden Frühjahr.

Die Wirte sind ausschliesslich Vertreter der Megachilinae. In der Schweiz sind Arten der Gattungen Anthidium, Anthidiellum, Trachusa, Osmia, Hoplitis Megachile und Heriades* als Wirte nachgewiesen (Amiet et al. 2004).

  -
Zwei Kokons von Stelis ornatula in einem Nest von Hoplitis leucomelana in einem Zweig von Rosa sp.. Die Kokons von Stelis lassen sich gut von denen ihrer Wirtsarten durch ihre dichten seidenen Wände und das Vorhandensein eines apikalen Zipfels unterscheiden (Agasul ZH, 1996). Foto © Albert Krebs.
1 à 12 sur 12