Der Rückgang der Insektenpopulationen in der Schweiz wird anhand von Daten von info fauna rekonstruiert
Der Bockkäfer Saperda carcharias, dessen Larve sich in Ästen und Stämmen der Pappel entwickelt, gehört zu den mit Totholz assoziierten Käfern, deren Bestand in der Schweiz im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen ist. (© Yannick Chittaro)
Durch die Auswertung von mehr als 1,2 Millionen Beobachtungsdaten aus der Datenbank von info fauna zeichnet eine neue Studie erstmals die Entwicklung der Artenvielfalt von Tagfaltern und Totholz-Käfern in den letzten 90 Jahren nach.
Die Ergebnisse der Studie, an der Forschende von info fauna, Agroscope, der WSL und mehreren anderen Institutionen beteiligt waren, zeigen, dass beide Insektengruppen Mitte des 20. Jahrhunderts einen starken Rückgang verzeichneten, der mit der Mechanisierung und Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft zusammenhing. Die regionale Vielfalt (pro 5x5-km-Fläche) der Käfer stabilisierte sich anschliessend und stieg dann wieder auf das Niveau von 1930 an. Die Schmetterlinge hingegen nahmen bis in die 1980er Jahre weiter ab. Die Bestände konnten sich seither nicht erholen, sodass die Tagfalterarten heute noch deutlich unter dem Niveau von 1930 liegen, insbesondere im Mittelland und in den Voralpen. Besonders betroffen waren die spezialisierten Arten beider Gruppen.
Veränderungen der Artenzahlen von Totholzkäfern und Tagfaltern zwischen 1930 und 2021. (Grafik: Neff et al., Nature Ecology and Evolution)
Info fauna ist stolz darauf, als wissenschaftlicher Partner zu dieser Studie beigetragen zu haben. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, über qualitativ hochwertige Daten zu verfügen – sowohl aktuelle als auch historische –, um die langfristige Entwicklung von Insektenpopulationen zu bewerten, was eine der zentralen Aufgaben von info fauna ist. Die gewonnenen Werte dienen als zeitliche Referenzpunkte für künftige Vergleiche.